Antifa und Männlichkeit

Workshop
Samstag 01.11.2008, 18:00 Uhr Gerberstraße 1

Was ist überhaupt „Männlichkeit“? Was macht Antifa-Politik aus, warum ist sie an so vielen Punkten besonders bei Jungs beliebt? Warum gibt es auch in der Antifa Unterdrückungsverhältnisse?

Diskussionsgrundlage: Kritikpapier der Antifa-Kampagne „NS-Verherrlichung
stoppen
“ vom 4.9.07.

Es geht um die Entwicklung neuer Perspektiven und konkteter Umsetzungs-Möglichkeiten. Die Gesprächs- und Entscheidungsstrukturen und die Ausrichtung der Antifa-Politik gehören auf den antisexistischen Prüfstand.

Wir reden über Symbole und Idole, über die Tücken der alltäglichen Antifaarbeit, samt Heldentum und Revierverhalten – Ausgangspunkt ist nicht nur Politik, sondern auch die eigene Praxis. Da der Workshop die Teilnehmer vielleicht an einigen Stellen peinlich berühren wird, wenn es um Identitätskrisen, Hilflosigkeit und Angst geht, ist die Veranstaltung nur für männliche Antifaschisten.

Ziel ist nicht eine generelle Infragestellung Deines Selbst, sondern Selbstreflexion, um darauf Perspektiven für ein respektvolles Miteinander und eine reflektierte, auf Analysen und Strategie basierende Antifa-Politik aufzubauen.

Es geht also auch um Selbstkritik, genauer gesagt: Kritik am Ausruhen auf ein angeblich bereits aufgeklärtes und linkes Selbst. Niemand soll behaupten, er sei bereits antisexistisch und nur die anderen machen alles falsch.

Die alltägliche Umsetzung ist allerdings höchst kompliziert: Es gibt verschiedenste Bewältigungsstrategien, bzw. Ausflüchte als Reaktion auf eigene und soziale Anforderungen, wenn emotionale Auseinandersetzung mit sich selbst abgewehrt und verdrängt wird. Manchmal muss ein aufs „Funktionieren“ gedrillter Stress oder auch nur eine hektische Beriebsamkeit als Entschuldigung für mackeriges Verhalten herhalten. Oft sind die Ausweichmanöver plump und dumpf, bei Linken aber zumeist perfekt inszeniert und kaum wem bewußt. Auch ein nicht-typisch-männlicher Habitus mit leisem Redeverhalten schützt davor nicht.

Eine antisexistische Praxis ist ein Weg mit psychischen Hürden und gesellschaftlichen Fallstricken. Da nutzt aber kein Selbstmitleid. Linke Politik ist halt kein Sandkasten.

Literatur:

* Klaus Theweleit: Männerphantasien, 1 + 2 (Band 1: Frauen, Fluten, Körper, Geschichte; Band 2: Männerkörper ? zur Psychoanalyse des weißen Terrors), Piper, München und Zürich 1978, erweiterte Auflage 2000
* Dieter Schnack, Rainer Neutzling: Kleine Helden in Not, Jungen auf der Suche nach Männlichkeit; Rohwolt Taschenbuch Verlag Reibeck bei Hamburg 1990, 7. Auflage 2004
* Lothar Böhnisch: Männliche Sozialisation; Juventa Verlag, Weinheim und München 2004
* Robert W. Connell (Raewyn Connell): Der gemachte Mann. Konstruktion und Krise von Männlichkeiten, Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden
1999, 3. Auflage 2006