Migration und Sexarbeit

Vortrag 01.November, 18:00 Uhr

Can the Prostitute Speak?

Über Laura Maria Agustin, Pro-Sex-Feminismus und die Konstruktion der Opfer-Identität von Prostituierten in den westlichen Demokratien.
Vortrag mit anschließender Diskussion von Tim Stüttgen.

In den letzten Jahrhunderten wurden die Identitäten von SexarbeiterInnen mit vielen Eigenschaften und Namen betitelt: Libertine und sebstständige Frau, Monster und Opfer sind nur einige von ihnen. Doch seit der Installation der bürgerlichen Demokratien blieb nur die Opfer-Identität übrig – die gerettet werden muss. So bleiben die Prostituierten Objekt, das von verschiedenen Instanzen diesseits des Zuhälters, nämlich der Polizei, dem Staat oder den NGOs, reguliert und überwacht wird.

Im Frankreich der Siebziger waren es Deleuze, Foucault und Guattari, die forderten, dass die SexarbeiterInnen selber ihre Bedürfnisse artikulieren sollten – in den USA der Achtziger taten sie das. Viele Positionen des Pro-Sex-Feminismus (Gail Pheterson, Annie Sprinkle, Scarlot Harlot) gelangten allerdings unter den Vorzeichen des konservativen Feminismus nie in den europäischen Diskurs.

In ihrem ersten Buch greift die südamerikanische Soziologin und NGO-Kritikerin Laura Maria Agustin diese Geschichte auf, dekonstruiert die gouvermentalen Mechanismen und Politiken, die die Panik um Sexarbeit, Traffiking und „das Huren-Stigma“ (Gail Pheterson) begleiten und beschreibt ihre Erfahrungen mit migrantischen Sexarbeiterinnen zwischen Europa und Südamerika.

Der Vortrag soll eine Einführung in den vielfältig geführten Kampf um die Repräsentation von Prostituierten geben und Agustins Buch „Sex at the Margins“ vorstellen.

Link zum Testcard-Interview mit Laura Maria Agustin