Positionspapier zu den sexuellen Übergriffen in der Gerberstraße von der Unterstützer_innengruppe

29.10.2008

Wir sind die Unterstützer_innengruppe mehrerer Betroffener von sexuellen
Übergriffen in der Gerberstraße 3. Wir vertreten ihre Interessen und schützen
die Betroffenen gegenüber der Öffentlichkeit und dem Täter . Dazu sind wir
von ihnen ins Vertrauen gezogen worden.

Unserem politischen Selbstverständnis nach vertreten wir die Definitionsmacht.
Hierbei ist allein relevant, wie die Betroffenen die Vorfälle interpretieren,
nicht die Sicht des Täters, denn dieser ist schon durch die Übergriffe selbst
über die intimen Grenzen der Betroffenen hinweg gegangen und er oder andere
sollen dies durch eine Be- oder Abwertung ihrer Sicht nicht noch ein mal tun
können. Aus diesem Grund möchten die Betroffenen auch anonym bleiben. Zur
Definitionsmacht gehört auch, dass die Konsequenzen für den Täter von ihnen
mitbestimmt werden.

In den letzten zwei Monaten gingen von xxxx in der Gerberstraße mehrere
sexuelle Übergriffe aus. Betroffen sind mehrere junge Frauen.
Die Betroffenen besuchen aus Angst vor xxxx die Gerberstraße nicht mehr und
bringen sich dort auch politisch und kulturell nicht mehr ein. Dies wollen
wir ändern. Es kann nicht angehen, dass der Täter von mehreren sexuellen
Übergriffen weiter in der Gerberstraße wohnt und aktiv ist, während die
Betroffenen ausgeschlossen sind. Dies widerspricht unserem politischen
Selbstverständnis und sollte auch dem der gesamten Gerberstraße
widersprechen.

Wir haben bezüglich der Vorfälle und der Forderungen der Betroffenen erst mit
dem Täter allein geredet, um ihm Gelegenheit zu geben, die Angelegenheit zu
verstehen und die Konsequenzen seines Handelns einzusehen. Dabei hatte er
auch die Gelegenheit seine Sicht der Dinge zu äußern. Das war für ihn die
Gelegenheit, sich ohne Skandal anderweitig ein Leben aufzubauen.
Er willigte ein, bis zum 16. November ohne Aufsehen aus der Gerberstraße
auszuziehen und sie dann auch nicht mehr zu besuchen. Er willigte aber nicht
aus dem Grund ein, weil er einsah, was er ihnen angetan hat und wie wichtig
deshalb sein Rückzug für die Betroffenen ist. Er stilisierte sich im
Gegenteil mehrmals als hilf loses Opfer der Unterstützer_innengruppe und der
eigentlich Betroffenen, welche sein Leben zerstören würden.

Er hielt einen Teil der Abmachung dann auch nicht ein, indem er kurz darauf
mit Freunden sprach und diese nicht davon abhielt, den Vorfall aus ihrer
Sichtweise weiter öffentlich zu machen.

Dieses Verhalten seitens des Täters macht unsere Abmachung mit ihm in diesem
Punkt hinfällig und wir treten nun mit den Vorfällen unsererseits an die
Öffentlichkeit.

Wir fordern deshalb, dass xxxx seine Zusage einhält, bis zum 16. November die
Gerberstraße zu verlassen, damit die Betroffenen wieder das Projekt besuchen
und mitgestalten können.

Wenn er dies von sich aus nicht tun will, muss ein Hausverbot ausgesprochen
werden.

Nur so werden die Betroffenen nicht erneut erniedrigt und übergangen und
können sich evtl. in der Gerberstraße wieder wohl fühlen.

Kontaktmail bei Nachfragen, etc.: u-gruppe[at]gmx.de