Stellungnahme von ein paar Leuten vom IL Sabotnik

Wie kommen wir dazu, uns in die Angelegenheiten eines sozialen Zentrums in Weimar zu mischen? Ausgehend davon, daß wir von der Gerber 1 um Unterstützung gebeten wurden, können wir dazu folgendes festhalten:

1. Einige von uns arbeiten seit Jahren mit der Gerberstraße 1 zusammen, kennen die dort aktiven Genoss_innen und haben keinen Anlass, ihnen nicht zu vertrauen. Wenn eine uns bis dato unbekannte Fraktion von Vereinsmitgliedern des Vereins Gerberstraße 3 versucht, die Strukturen der Gerber 1 zu delegitimieren und die Angestellten der Gerber 1 herauszudrängen, dann kommen wir nicht umhin, uns zu positionieren.

2. Aus diesen Gründen haben einige von uns am 1.12. am Montagsplenum der Gerberstraße 1 teilgenommen. Was wir dort gesehen und gehört haben, bestärkt uns in unserer Positionierung:

- Die anwesende Abordnung des Gerber-3-Mittwochsplenums bezeichneten die Angehörigen des Montagsplenums durchgehend herablassend als „die Jugendlichen“, wobei diese Benennung nur symptomatisch war für eine paternalistische Haltung, die den derzeit in der Gerber 1 aktiven Personen abspricht, voll handlungsfähig zu sein.

- Die wenigen Leute aus der 3 haben es durchgehend geschafft, durch ständige Zwischenrufe und durch konfrontative Zwischenbemerkungen wie „Dann hau doch ab“ oder „Dann ziehst Du weiter, um andere Projekte kaputt zu machen“ die Diskussion im Montagsplenum zu dominieren.

- Die Unterstützung bei der Suche nach einem Raum für eine Zukunftswerkstatt der Gerber 1 wurde von einer Person aus der 3 zuerst angeboten und zurückgezogen, als der Inhalt der Zukunftswerkstatt nicht mehr genehm war.

- Daß mehrere Leute ausführlich dargelegt haben, daß die Anwesenheit der Leute aus dem Mittwochsplenum eine nicht tragbare Belastung darstellt, wurde ignoriert, bzw. verlacht.

3. Abgesehen von diesen Ereignissen, die eher auf einer formalen Ebene spielen, halten wir zentrale inhaltliche Argumente der 3er für politisch falsch:

-Zur Frage der Toleranz müssen wir festhalten, daß wir diese mitnichten für ein zentrales Merkmal linker Räume halten. Oft genug wird im Namen der Toleranz im Kern verlangt, auf einen Standpunkt zu verzichten. Unsere Toleranz hat Grenzen, wenn Leute mit ihrer Anwesenheit eine physische oder psychische Bedrohung für andere darstellen. Das ist für uns im Umgang mit Rassismus und Nationalismus ebenso selbstverständlich wie mit Sexismus.

- Als zentrales Argument für die herausragende Wichtigkeit einzelner älterer Männer aus der Gerber 3 wurden immer wieder Bautätigkeiten aus der Vergangenheit benannt. Wir sind nicht der Ansicht, daß in einem Projekt diejenigen das Sagen haben, die am meisten Bautätigkeit vorweisen können.

- Das Mittwochsplenum der Gerberstraße 3 will sich herausnehmen, die Definitionsmacht darüber auszuüben, was ein sexueller Übergriff ist. Entgegen den unmissverständlich formulierten Wünschen der Betroffenen der aktuellen Übergriffe will das Plenum „mehr Details“, um selbst definieren zu können, was ein Übergriff ist. Wie üblich in einer patriarchalen Gesellschaft wollen damit alte Männer — Richter, Ärzte, Psychologen oder eben die Sozialarbeiter aus der Gerber 3 — zu Gericht sitzen und festlegen, was sexualisierte Gewalt ist und die Betroffenen damit erneut zum Objekt machen. Gegen genau diese alltägliche Entmündigung der Betroffenen von sexueller Gewalt stellt die U-Gruppe die Definitionsmacht der Betroffenen, die im Übrigen (im Gegensatz zum gebetsmühlenhaft vorgetragene Gerede der Gerber 3) selbst im bürgerlich Recht (im Arbeitsrecht) so verankert ist %u2013 auch wenn unsere Ablehnung der Gerber 3-Position nicht auf dem bürgerlichen Recht beruht.

- Die aus dem Kreis der Gerber 3 geäußerte Ansicht, es könne sich bei den aktuellen Übergriffen um eine abgesprochene Angelegenheit handeln, um die Gerberstraße zu spalten, halten wir für eine völlig indiskutable Verschwörungstheorie.

- Als Begründung für den Rauswurf der beiden SozialarbeiterInnen werden immer wieder die exponierte Stellung dieser benannt. Daß gerade jetzt eine Diskussion über Hierarchien losgetreten wird, halten wir für vorgeschoben. Die Gerberstraße hatte jahrelang Zeit, sich über Machtstrukturen im Projekt Gedanken zu machen. Daß Leute, die mit Vorstandsbeschlüssen agieren, Hierarchien als Argument vorschieben, ist lächerlich.