Gerber-1-Besetzung hält weiter an

Wie wir bereits gestern an die Öffentlichkeit getragen haben, ist die Gerberstraße 1 in Weimar neu besetzt. Nachdem einige der offiziellen Besitzer, Vorstands- und Vereinsmitglieder des Gerber 1 e.V., sämtliche Schlösser der Gerberstraße 1 ausgetauscht und den bisherigen Nutzer_innen den Zugang verweigert hatten, haben sich gestern ca. 30 Menschen Zugang verschafft und die offiziellen Zugänge verbarrikadiert. Auslöser dieser Zuspitzung war eine Sexismusdebatte innerhalb des soziokulturellen Zentrums Gerberstraße. Die derzeitigen Neubesetzer_innen hatten sich im Vorfeld mit den Forderungen einiger Betroffener sexualisierter Gewalt solidarisiert.

Die rechtliche Lage ist derzeit heikel aber ungeklärt. Der Verein Gerber 1 e.V. ist der offizielle Besitzer des Hauses. Einige Mitglieder des Vorstandes haben sich entschieden den bisherigen Nutzer_innen den Zugang zu ihren Räumen zu verweigern. Doch auch die Neubesetzer_innen haben ein Vorstandsmitglied auf ihrer Seite. Bisher hatten die Vereinsstrukturen keine Auswirkungen auf den hierarchiearmen Alltag der Gerberstraße 1. Dies hat sicht mit der Sexismusdebatte geändert.

Heute früh haben einige Personen aus dem Umfeld der Gerber 3 angekündigt die derzeitige Neu-Besetzung nicht zu dulden. Sie riefen den Besetzer_innen zu, dass sie diese vor eine Entscheidung stellen würden: Wenn sie nicht bis heute Abend raus wären, würden sie andere Seiten aufziehen. „Wenn die Kinder Räuber und Gendarm spielen wollen, sollen sie nach Hause zu ihren Eltern gehen“, fügten sie (neben einigen anderen Beschimpfungen) ihrer Erklärung hinzu. Solche Aussagen zeigen welcher Gesinnung diese Herren sind und wie wenig sie von einer Kritik von Hierarchien und Bevormundung halten. Außerdem drohten sie dem Vorstandsmitglied, welches sich auf die Seite der Neu-Besetzer_innen gestellt hat, rechtliche Schritte an. Bei den angeblichen Vergehen handelt es sich angeblich um Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch und Geldveruntreuung.

Vor dieser Mitteilung hatten bereits zwei andere Personen aus dem Umfeld der Gerber 3 versucht, der Gerber 1 das Wasser abzustellen und versuchten hierzu einen Gulli-Deckel vor der Gerber 1 zu öffnen. Dies ist ihnen glücklicherweise nicht gelungen. Dafür haben sie die Heizung der Gerber 1 abgestellt und ein Transpi der Neu-Besetzer_innen mit der Aufschrift „Das Haus ist unsa“ abgerissen. Sie fürchten die Öffentlichkeit.

Wir befinden uns derzeit in einer Situation wir sie noch nie erlebt haben. Wir sind nicht stolz darauf was wir tun und es lastet derzeit ein gewaltiger Druck auf uns. Aber wir halten es für notwendig so zu handeln, denn wir wollen unsere Räume nicht aufgeben.

Die Leute aus der Gerber 3 und aus den Vereinsvorständen wollen zur Zeit nicht mehr vom konkreten Auslöser des Konflikts reden. Wir aber wollen betonen, dass wir uns auf die Seite von Betroffenen sexualisierter Gewalt gestellt haben. Daraufhin waren wir mit der Androhung von körperlicher und der Ausübung psychischer Gewalt konfrontiert, unser Plenum wurde entmündigt, uns wurde jede Entscheidungsfähigkeit über das Haus abgesprochen und die Räume, die wir bisher seit Jahren genutzt haben, wurden uns streitig gemacht. Mit dem Austausch der Schlösser der Gerber 1 wurde uns nun sogar praktisch untersagt in der Gerber 1 politisch oder anderswie aktiv zu werden.

Wir werden die Räume bis heut Abend und auch in absehbarer Zeit nicht verlassen und halten an unseren Forderungen fest! Wir fordern:

- alle Schlüssel für alle Schlösser in der Gerber 1

- Rücktritt des derzeitigen Vereinsvorstands des Gerber 1 e.V.

- Leute aus unseren Reihen in den Vorstand und in den Verein, einen anderen Verein akzeptieren wir nicht

- dass die Gerber 1 wieder ein autonomes Zentrum wird

- Zuckerwatte für alle!

Die Leute, die uns hier raushaben wollen haben etwas verloren, was wir noch besitzen. Wir gestehen uns ein, dass wir Angst haben. Aber wir haben Hoffnung auf Veränderung.

Komitee zur Aufrechterhaltung der Besetzung