Archiv für November 2009

Im Weimarer Definitionsmachtkonflikt klagt der Gerberstraße 1 e. V.

Ende des Jahres 2008 hatte der Konflikt über den Umgang mit mehreren sexuellen Übergriffen in der Gerberstraße über Weimar hinaus für Aufmerksamkeit gesorgt.

Nun verklagt der Gerberstraße 1 e. V. durch den Vereinsvorstand ein Mitglied der Unterstützer_innengruppe, welches 16 Jahre lang selbst aktiver Nutzer beider Häuser war und gleichzeitig die Funktion des Sozialarbeiters erfüllte.

In der Anklageschrift vom 23.Oktober 2009 wird ihm vorgeworfen, Vereinsgelder unbefugt ausgegeben zu haben. Bei dem Betrag in Höhe von 2407,21 € handelt es sich hauptsächlich um Gelder, die für die Deckung der laufenden Kosten des Betriebs in der Gerberstraße 1 während des Konflikts ausgegeben wurden. Zwischenzeitlich hatten sich die Gruppe um die Nutzer_innen und der Verein in Verhandlungsgesprächen über diese Ausgaben verständigt und den Streit darum ad acta gelegt. Dass dieses Geld nun wieder eine Rolle spielt, hat also keinen anderen Zweck, als psychischen Stress gegen diejenigen auszuüben, die während des Konflikts die Definitionsmacht verteidigt hatten – auch wenn es inzwischen wohl mehr um Profilierung als um díe ursprünglichen Differenzen gehen dürfte.

Unter dem Vorwand eines sogenannten „Notstandes“ hatten sich die Menschen aus dem Umfeld beider Vereinsvorstände Ende 2008 auf die Vereinsstrukturen berufen und zwei U-Gruppenmitglieder aus dem Wohnprojekt der Gerberstr. 3 geworfen. Außerdem wurden ihnen ihre Jobs im Projekt der Gerberstraße 1 gekündigt. Somit stellt die nun erfolgte, hinzukommende Anklage und das gerichtliche Vorgehen gegen eines dieser U-Gruppenmitglieder ein weiteres Mal einen traurigen Höhepunkt der Auseinandersetzung um die Gerber dar.

Die damaligen (mit der U-Gruppe solidarischen) Nutzer_innen haben sich unter Druck Stück für Stück aus den Räumen der Gerberstraße 1 zurückgezogen und der Konflikt ist mit einigem Krach zugunsten autoritärer Vereins- und Vorstandsstrukturen ausgegangen.

Häuser, in denen das Konsensprinzip durch einen Vereinsvorstand abgeschafft wurde, in denen somit ehemals formale Vereinsstrukturen benutzt und letztendlich staatliche Repressionsorgane zum Mobbing herangezogen werden, sind kein linken, emanzipatorische Projekte mehr.

Ehemalige Nutzer_innen der Gerberstr. 1