Zum zweiten mal finden vom 28.10. bis zum 02.11. die „Queerschnitt – Free Your Gender Days“ statt. Diesmal möchten wir in Form einer (queer-)feministischen Veranstaltungsreihe in den linken Alltag intervenieren, jungen und alten Menschen einen Zugang zu feministischer Kritik vermitteln und eine Diskussion über Geschlechter-Verhältnisse anzetteln. Mit den Themen, die wir euch auf diesem Blog vorstellen, wollen wir uns bei den „Queerschnitt – Free Your Gender Days“ in Form von Workshops, Vorträgen, Diskussionen und Filmen auseinandersetzen. Darüber hinaus haben wir ein kulturelles Rahmenprogramm auf die Beine gestellt, womit wir uns an einer queeren Subkultur beteiligen wollen, in der experimentell und ohne Angsträume heterosexuelle Grenzen überschritten werden können.

Wir laden alle Menschen, die sich dafür interessieren und eine progressive Auseinandersetzung mit Sexualität suchen, herzlich dazu ein. Wir hoffen damit Schritte in Richtung sexueller Emanzipation und selbstbestimmter Sexualität gehen zu können und damit die herrschenden Verhältnisse nicht in Ruhe zu lassen.

Die „Queerschnitt – Free Your Gender Days“ werden von der Rosa-Luxemburg-Stiftung gefördert und finanziell vom BiKo e.V. und der Kooperative Haina unterstützt.

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Die bürgerliche Gesellschaft, welche sich in einen produktiven und einen reproduktiven Bereich spaltet, benötigt auch ein zweigeteiltes Geschlechter-System. Dabei ist der produktive Bereich männlich besetzt und ist verbunden mit den Sphären der Öffentlichkeit und der Lohnarbeit und mit Eigenschaften wie Härte, Rationalität, Durchsetzungsfähigkeit und Selbstbeherrschung. Der weiblich besetzte reproduktive Bereich verortet sich dagegen in der Privatsphäre, also im nicht-öffentlichen Bereich. Hier geht es um die Pflege des Nachwuchses und die Widerherstellung der verbrauchten Kräfte im produktiven Bereich. Dabei ist dieser reproduktive Bereich mit Eigenschaften wie Emotionalität, Sensibilität und Passivität verbunden.

Diese ökonomischen Verhältnisse verbinden sich dabei mit Strukturen aus vorbürgerlicher Zeit und koppeln sich ständig mit Zwängen und Verhaltensweisen, der die Menschen in unserer Gesellschaft unterliegen. In der Wahrnehmung der Menschen erscheint dies als etwas aus der Natur erwachsenes, was es kaum zu hinterfragen gilt. Dementsprechend werden diejenigen Menschen die sich anders verhalten, als es die gesellschaftliche Norm verlangt, oft als „widernatürlich“ wahrgenommen und in Folge dessen oft psychisch und physisch diskriminiert. Und daran ändern auch aktuelle Entwicklungen, die eine zeitweise Überschreitung der Grenzen zwischen produktivem und reproduktivem Bereich erlauben, nicht viel. Damit, dass Frauen mal Karriere machen können und Männer sich an der Brutaufzucht beteiligen, ist das grundlegende Prinzip in keiner Weise angetastet. Diese Entwicklung bedeutet meistens eine Doppelbelastung für Frauen, Zwangsidentifizierung und Hass gegen das Abweichende bleiben ebenso bestehen.

So sind beispielsweise immer noch wesentlich mehr Männer im wissenschaftlichen Bereich beruflich tätig als Frauen1. Dies bedeutet, dass Frauen in unserer Gesellschaft offiziell den Status eines mündigen Subjekts zugesprochen bekommen und dass bestimmte Tabus gebrochen wurden. In der Realität zeigt sich jedoch, dass es nach wie vor geschlechtsspezifische Lebensentwürfe gibt, deren Umsetzung gesellschaftlich gefördert wird und die offensichtlich die einfachste Wahl für die meisten Menschen darstellen. Die Möglichkeit einer freien Entfaltung der Individuen scheint uns in dieser Gesellschaft ohnehin nicht gegeben. Sobald sich unterdrückte Minderheiten Rechte gesichert und gesellschaftliche Anerkennung erkämpft haben, werden sie nach bürgerlich-aufklärerischer Manier kategorisiert und haben sich dementsprechend im Rahmen dieser diskursiven oder marktrational entstandenen Kategorien zu bewegen. Dies wird deutlich in Konstrukten wie der „Homo-Ehe“ oder einer homosexuellen Pop-Szene, die unpolitisch und partyvernarrt eine Markt-Lücke füllt und sich ohne gesellschaftliche Grenzen zu überschreiten dem postmodernen Rausch hingibt. Gesellschaftliche Trends die einen „konservativen Feminismus“ predigen und die Frau wieder zurück an den Herd wünschen beweisen, dass es mit einer Überwindung der Geschlechter-Kategorien nicht weit her ist.

Eine Bewegung, die gegen Diskriminierung, Kategorisierung und Zwangsidentitäten angehen will muss ihren Kampf dementsprechend auf zwei Ebenen führen. Auf der einen Seite ist ein immanenter Kampf, der innerhalb des gegebenen Rahmens gegen Diskriminierung (Sexismus, Homophobie, Transphobie) geführt wird absolut legitim. Innerhalb der gesteckten Grenzen sollte alles versucht werden, solange diese selbst nicht überwunden werden können. Auf der anderen Seite darf eine solche Bewegung nicht dabei stehen bleiben und muss genau diesen gesellschaftlichen Rahmen immer wieder angreifen. Wir gehen davon aus, dass die Formen der Diskriminierung, mit denen wir es tagtäglich zu tun haben, in die bürgerliche Gesellschaftsordnung eingeschrieben sind. Sagen wir es offen: wir wollen einen Umsturz der Verhältnisse und eine Gesellschaft, die keine patriarchale und keine kapitalistische mehr ist.